Ein Tag in Marrakesch

Marrakesch
Marrakesch

Marrakesch – farbenprächtig, geheimnisvoll und ein Hauch von 1001 Nacht

Marrakesch, der farbenprächtige Mix aus europäischer, fernöstlicher und afrikanischer Kultur stand also auf meinem Sightseeing Programm. Ich freute mich auf einen abwechslungsreichen Rundgang, der auf dem Djemaa el Fna, dem zentralen Platz beginnt. Beeindruckend war bereits der erste Blick auf die Metropole, bei der auf einer Straßenseite ein exklusives 5-Sterne-Hotel stand, während sich auf der anderen Seite ein Kamel- und Dromedarparkplatz befand.

Der Djemaa el Fna – düstere Geschichte, strahlende Gegenwart

Djemaa el Fna

Da war er nun vor mir – ein Platz voller Menschentrubel, bunter Stände und einiger herrlich duftender Garküchen. Die Rede ist vom Djemaa el Fna, dem zentralen Platz in Marrakesch, der zugleich in vielen Reiseführern als wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt bezeichnet wird. Früher wurde er als Richtstätte für die Schwerverbrecher, die zum Tode verurteilt waren, genutzt. Heute ist der Platz voller Händler, Schlangenbeschwörer und einem Mix aus Einheimischen und Touristen, die sich ihren Weg durch das Gewirr der Stände bahnen. Der Platz, der auch als Gauklerplatz bekannt ist, ist die Lunge der Stadt und gilt als einer der beliebtesten Treffpunkte in ganz Marrakesch. Ich bin am Morgen hier und bereits beeindruckt vom orientalischen Flair, das hier Künstler und Musiker, aber auch die typischen marokkanischen Händler verbreiten.

Die Souks als Shoppingparadies

Eine typsiche Basargasse

Ich reiße mich vom bunten Treiben auf dem großen Platz los und gehe weiter in Richtung der Souks. Das sind die Shopping-Malls von Marrakesch, die auch als Basargassen bezeichnet werden. Als Vorbereitung habe ich mir einen Reiseführer gesucht, der jedoch bei keinem Hersteller mit einer Straßenkarte versehen ist. Deshalb lasse ich mich etwas treiben und betrachte fasziniert die Läden, die viel typisches Marokkanisches, aber auch praktische Souvenirs bieten. Ich schlendere weiter und gelange bald ins Herz der Medina, das ist die prächtige Altstadt von Marrakesch. Auch hier beherrschen wieder Händler das Bild, wobei deren Angebot von einmaligen Kunstwerken aus Holz und Keramik, aber auch Kupfer geprägt ist. Es gibt hier auch herrlich duftende Gewürzpyramiden und die typischen Mosaiklampen, die eine ganz besondere Atmosphäre und einzigartigen Charme verbreiten. Auch wenn es keine Straßenkarten gibt, finde ich mich gut zurecht, denn erstens führt der Weg immer wieder zum Djemaa el Fna, und zweitens sind die Souks in unterschiedliche Sektionen für Kleidung, Gewürze und Heilmittel, aber auch Lampen und Farben geteilt. Es macht unglaubliche Spaß, hier durchzuschlendern und in eine fremde Welt einzutauchen. Fast ebenso beeindruckend wie die Gegenstände, ist es auch, den Menschen dabei zuzusehen, wie sie diese produzieren – mit viel Liebe zum Detail und einem hohen Maß an Detailverliebtheit.

Ein kleiner Zwischenstopp mit Minztee

Tajine – ein klassisches Gericht in Marokko

Schön langsam bekomme ich etwas Hunger und möchte in die Welt der marokkanischen Kulinarik eintauchen. Auf dem Schiff habe ich den Tipp bekommen, Street Food zu probieren. Zahlreiche Händler bieten hier ein reiches Angebot an frischem Obst und unterschiedlichen Eintöpfen an. Auch Grillspieße und Sandwiches gibt es im Angebot. Ganz zu schweigen von den herrlichen Tajine, die ich unbedingt versuchen muss. Dieses Gericht, das in typischen Lehmgefäßen hergestellt wird, ist ein kulinarisches Highlight, das sich niemand entgehen lassen sollte. Doch, weil ich immer noch in der Nähe des Großen Platzes bin, entscheide ich mich für einen Abstecher ins Cafe Restaurant Glacier. Dort gibt es ein schmackhaftes typisch marokkanisches Frühstück, das aus vielen Früchten und einem herrlichen Minztee besteht. Ich entscheide mich für einen Platz auf der Terrasse, die einen herrlichen Ausblick über Marrakesch bietet und verwöhne meinen Gaumen mit einem Sfenj, das ist ein marokkanischer Donut.

Weiter geht’s im Gewirr der Gassen

Frisch gestärkt mache ich mit meinem Rundgang durch Marrakesch weiter. Ich schlendere in den Gassen weiter und komme mit einem Einheimischen ins Gespräch. Dieser macht mich auf einen kleinen Markt mit dem Namen El Khemis aufmerksam. Hier sind jeden Sonntag Berber aus der Wüste vor Ort, um ihre Teppiche zu verkaufen. Sie nennen sich Blue Man und sind äußerst freundlich, bieten den leckeren Minztee an, dessen Zubereitung schon fasziniert, und präsentieren ihre farbenprächtigen Kunstwerke aus Wolle.

Secret Garden in Marrakesch

Ich lasse mich weiter treiben und schlendere in Richtung des Secret Garden, der seinen Ursprung in der Zeit der Saadian Dynastie hat. Das heißt, er wurde ca. im 17. Jahrhundert entworfen. In der Rue Mouassine gelegen, weist ein Steintor den Weg ins Innere, wo ich auf den ersten Blick den „Exotischen Garten“ entdecke. Rechts von einem Gebäude, das in dunkler Terracottafarbe erbaut ist, gibt es einen Durchgang, der direkt zum Islamischen Garten führt. Er wird dominiert von zahlreichen kleinen Wasserflächen und Brunnen, sowie mehreren Pavillons. Einer davon, der Oud el Ward, begrenzt den Garten und besticht mit einem Turm sowie einem Cafe. Ich zahle den erforderlichen Eintritt für den Turm und klettere bis ganz nach oben. Ein herrlicher Blick über Marrakesch, der bis in die Berge reicht, winkt mir als Belohnung. Ich genieße die Ruhe in diesem Garten und lasse mich von der islamischen Gartenkunst verzaubern.

Was wäre Marrakesch ohne Moschee?

Die Koutoubia-Moschee

Tiefenentspannt verlasse ich den Geheimen Garten, eine der wenigen Sehenswürdigkeiten, die nicht so überlaufen ist wie so manch andere, und begebe mich zu den sakralen Bauten. Eine der beeindruckendsten ist die Koutoubia Moschee, die mit einem 77 Meter hohen Minarett ein echt optisches Highlight darstellt. Sie gilt als die größte Moschee der Stadt und wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Das Besondere ist neben ihrer Geschichte und der Architektur auch ihre Lage, denn das Gotteshaus steht komplett frei und ist von Palmengärten und Freiflächen umgeben. Ich bin von dieser Moschee beeindruckt, es macht Lust auf mehrere dieser Sehenswürdigkeiten in Marrakesch. Und ich finde sie – in Form der Moschee al Mansur, die ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammt und als Kasbah Moschee bezeichnet wird. Nach einem kurzen Blick gehe ich weiter zur Moschee Ben Youssef, in deren Nähe sich das Marrakesch Museum befindet. Hier bietet eine großzügige Ausstellungsfläche Einblick in das Werk international bekannter Künstler ebenso wie in das von marokkanischen.

Jardin Majorelle und Saadler Gräber – zwei Gegenpole, die beeindrucken

Jardin Majorelle

Marrakesch wird ja bekanntlich auch als grüne Lunge bezeichnet, was die zahlreichen Gärten eindrucksvoll unterstreichen. Nach dem heimlichen Garten lockt vor allem einer die Besucher an. Die Rede ist vom Jardin Majorelle, der vom gleichnamigen französischen Künstler entworfen wurde. Neben herrlich blühenden Bougainvilleas und zahlreichen Palmen, die hochgewachsen angenehmen Schatten spenden, begeistern mich exotische Gewächse und Pflanzen wie Kakteen und Bambusse, aber auch Wasserpflanzen. Angeblich hat dieser Garten als Inspirationsquelle von Yves Saint Laurent gedient. Ich genieße den Rundgang, der mich im Inneren auch in ein kleines Berber Museum führt, und mache mich anschließend auf dem Weg zu den Saadler Gräbern. Diese befinden sich ebenfalls in einer wunderschönen Gartenanlage und sind eigentlich zwei Mausoleen. Das schönste Grab befindet sich im größeren Mausoleum und ist die letzte Ruhestätte von Ahmed al Mansur, der Marrakesch nicht nur als neue Hauptstadt von Marokko etabliert hat, sondern die Stadt auch mit zahlreichen beeindruckenden Bauten versehen hat.

Weiter in den Westen

Im Inneren des Bahia-Palastes

Etwas Zeit bleibt mir noch, bevor ich zurück muss. Diese nutze ich um den berühmten Bahia Palast, der im Westen von Marrakesch liegt, zu bestaunen. Das Bauwerk wurde im Laufe der Zeit um ein türkisches Bad, also um einen Hamam sowie eine Moschee und einen – wieder einmal – herrlichen Garten erweitert. Ich bin vom Palast, dessen Fläche mehr als 8000 Quadratmeter beträgt und der 160 Räume hat, und seiner prunkvollen Architektur ebenso beeindruckt wie von den mit farbenprächtigen Mosaiken verzierten Decken. Der Innenhof ist ein von Pflanzen gesäumtes Areal, dessen Grün einen perfekten Kontrast zu den anderen Farben auf dem Gemäuer bietet. Bahia Palast heißt übrigens „die Strahlende“ bzw. „die Glänzende“, was ihm absolut gerecht wird. Nicht umsonst wurde er bereits öfter als Kulisse für Hollywoodblockbuster verwendet. Angeblich wurde auch Lawrence von Arabien hier gedreht.

Noch schnell Hunger stillen

Restaurant Dar Yacout

So viele Eindrücke unterschiedlichster Formen und Farben in Marrakesch macht mich am Tagesende wieder hungrig. Deshalb wandere ich zurück zur Medina und dort in das Restaurant Dar Yacout. Es liegt etwas verborgen in einer engen Gasse und kann nur durch mehrere sehr einfache Holztüren betreten werden. Doch was sich dahinter verbirgt, ist einmalig. Das Restaurant, das sich im Erdgeschoss befindet, vermittelt ein Gefühl wie von 1001 Nacht. Als ich an einem Tisch in einem der herrschaftlich wirkenden Seitenräume Platz nehme, werden mir unterschiedliche kleine Teller mit unterschiedlichen Vorspeisen, aber auch Couscous und Huhn bzw. Lamm und natürlich Tajine serviert. Das Essen ist gemütlich und wird durch angenehme marokkanische Live Musik begleitet. Frisch gestärkt muss ich dann noch schnell eine der angesagten Bars in Marrakesch aufsuchen. Beide, sowohl die Royal Mansour Bar als auch die Churchill Bar, liegen nur wenige Minuten vom zentralen Platz entfernt. Ich wähle erstgenannte und komme auf dem Weg dorthin noch mal am Djeema al Fna vorbei. Hier ist jetzt in den ersten Abendstunden mindestens ebenso viel los wie während des Tages. Künstler und Artisten bieten ein buntes Programm, das mich kurz zum Stehenbleiben animiert. In der Bar lese ich auf der Getränkekarte Bier und Wein, wobei ersteres als Flag und Storck angeboten wird. Ich gönne mir lieber ein Glas Ksar Rosé, der eiskalt serviert wird und eine angenehme Erfrischung ist. Leider ist das Glas viel zu schnell leer und ich mache mich wehmütig auf den Rückweg zum Schiff.